Vermögensverwaltung- oder hört bei Geld die Freundschaft auf? Die   Vermögensverwaltung   oder   auch   Finanzportfolioverwaltung   wird   in   Deutschland   von   Banken   oder   unabhängigen   Vermögensverwaltern   angeboten.   Zu   letzterer   Gruppe gehören   auch   so   genannte   Family   Offices,   sofern   sie   hierfür   zugelassen   sind.   Unter   dem   Begriff   verstehen   wir   eine   Finanzdienstleistung,   die   es   dem   Vermögensverwalter erlaubt   eigenständig   Anlageentscheidungen   für   seine   Mandanten   zu   treffen   und   umzusetzen.   Auf   Grund   der   hohen   Verantwortung   bedarf   es   zur   Ausübung   dieser   Tätigkeit einer Genehmigung seitens der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Dies ist im Kreditwesengesetz (KWG) verankert. Basis   der   Vermögensverwaltung   ist   der   Vermögensverwaltungsvertrag.   Er   regelt   die   Struktur   und   den   Risikogehalt   der   zu   tätigen   Anlagen,   berücksichtigt   dabei   die   persönliche Situation     des     Mandanten     (individuelle     Vermögensverwaltung)     oder     bietet     standardisierte     Lösungen     im     Rahmen     gewisser     Risikoparameter     an     (standardisierte Vermögensverwaltung). Oftmals werden standardisierte Lösungen auch als Zusatzbaustein für individuelle Vermögensverwaltungs-mandate angeboten. Die   Anforderungen   an   den   Vermögensverwalter   sind   extrem   hoch.   Neben   dem   KWG   regeln   insbesondere   das   Wertpapierhandelsgesetz   (WpHG)   und   eine   Vielzahl   von zusätzlichen Bestimmungen seinen Tagesablauf. Durch Anpassung an EU-Richtlinien hat sich dieser Trend sogar noch verstärkt. Die   Regulierung   hat   trotz   Stöhnen   der   Branche   zu   einem   deutlichen   „Mehr“   an   Kundenschutz   geführt   und   insbesondere   unabhängige   Vermögensverwalter   in   Deutschland konnten hiervon in den letzten 20 Jahren erheblich profitieren. Wenn   man   sich   überlegt      welche      Interessenkonflikte   der   Vermögensverwalter   im   Tagesgeschäft   hat,   dann   dürfte   man   sich   mit   dem   Thema   Vermögensverwaltung   eigentlich nicht beschäftigen. Der   größte   Interessenkonflikt   überhaupt   liegt   in   der   Tatsache   begründet,   dass   er   einerseits   objektiv   und   unabhängig   beraten   bzw.   verwalten   soll,   andererseits   aber   auch   Geld verdienen muss. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass er dies selbst steuern kann, so wird die Diskrepanz natürlich deutlich. Ein   weiterer   Interessenkonflikt   kann   in   der   Integration   hauseigener   Produkte,   wie   z.B.   durch   hauseigene   Fonds   oder   Zertifikate,   im   Rahmen   der   Vermögensverwaltung bestehen.   Wer   z.B.   mal   als   unabhängiger   Berater   Depotcheckaktionen   mitbegleitet   hat,   konnte   bis   vor   wenigen   Jahren   deutlich   erkennen,   wo   Depots   geführt   wurden   ohne   die Depotbank   zu   kennen.   Ebenso   konnte   man   erkennen   zu   welchem   Zeitpunkt   gewisse   Fonds   in   Depots   hinein   gekauft   wurden,   nämlich   bei   Neuemission.      Platzierungsdruck   und Eigeninteresse bestimmten die Anlageentscheidung zu Lasten des Mandanteninteresses. Erinnern   Sie   sich   noch   an   Presseartikel   in   Wirtschaftszeitungen   über   so   genannte   Penny-Stocks   in   Vancouver.   Da   gab   es   angeblich   doch   tatsächlich   Unternehmen,   auf   deren Grund   und   Boden   man   den   Spaten   in   die   Erde   steckte   und   anschließend   Goldklumpen   einsammeln   konnte.   Die   Kurse   verdoppelten   sich   innerhalb   kürzester   Zeit,   um   dann wieder   einzubrechen.   Frontrunning   nennt   man   diese   Geschäftsart.   Man   kaufte   marktenge   Titel   und   trieb   deren   Kurse   durch   solche   Artikel   in   den   Himmel,   um   dann   selbst   zu verkaufen. Auch ein Vermögensverwalter hätte durchaus in abgewandelter Form die Möglichkeit dazu gehabt. Von   Bedeutung   können   auch   die   vereinbarten   Gebührenmodelle   sein.   Werden   neben   Vermögens-verwaltungsgebühren   auch   umsatzabhängige   Transaktionskosten   und Erfolgsbeteiligungen   in   Rechnung   gestellt?   Wie   soll   man   es   dem   Mandanten   Recht   machen?      Berechnet   der   Vermögensverwalter   nur   eine   feste   Managementfee,   dann verdient   er   sein   Geld   im   Schlaf.   Wird   er   zusätzlich   auch   umsatzabhängig   über   Transaktionskosten   bezahlt,   hat   er   vielleicht   ein   Interesse   an   möglichst   viel   Umsatz   (Churning), oder steht eine Erfolgsbeteiligung im Raume, dann geht er unter Umständen ein höheres Risiko ein. Diese   Aufzählung   ist   bei   weitem   nicht   vollständig.   Es   gibt   sicherlich   noch   eine   Vielzahl   weiterer   Interessenkonflikte   auf   die   ein   Vermögensverwalter   im   Tagesgeschäft   trifft. Diese sollen aber hier   erst einmal wegen ihrer Vielzahl unerwähnt bleiben. Hört bei Geld tatsächlich die Freundschaft auf? Der   Gesetzgeber   verlangt   mittlerweile   von   Vermögensverwaltern   und      Banken,   dass   sie   diese   Interessenkonflikte   identifizieren   und   geeignete   Gegenmaßnahmen   ergreifen, damit      es   zu   keinem   Missbrauch   kommt.   In   Haus   überwachen   Revisions-   und   Complianceabteilungen,   extern   prüfen   Wirtschaftsprüfer   und   Aufsichtsämter      Geschäftsabläufe und   die   Einhaltung   gesetzlicher   Vorschriften.   So   müssen   z.B.   Mitarbeitergeschäfte   im   Wertpapierbereich   genehmigt   und   überwacht      werden   im   Hinblick   auf   Frontrunning.   Es dürfen   darüber   hinaus   keine   Mitarbeitertransaktion   gegen   Mandantenorders   gestellt   werden,   Mandanten-Depots   werden   auf   Churning   Tatbestände   untersucht         Versteckte Kosten müssen dem Mandanten gegenüber offen gelegt werden. Ein    guter    Vermögensverwalter    zeichnet    sich    heute    durch    Verantwortungsbewusstsein    und    Gewissenhaftigkeit    aus.    Er    muss    auf    Mandantenbedürfnisse    eingehen    und beurteilen,   ob   eine   Vermögensverwaltungsstrategie   oder   auch   ein   Anlageprodukt   angemessen   und   geeignet   für   seinen   Mandanten   ist.   Er   hat   auch   die   Verpflichtung   dem Mandanten gegenüber die Ungeeignetheit einer Strategie zu bescheinigen. „ Eine 75jährige Großmutter mit Euro 30.000,-- Spareinlagen und Euro 1.000,-- monatlich Rente ist für den Handel in komplexen Finanzinstrumenten eben nicht geeignet“. Kostentransparenz ist darüber hinaus das A und O. Gibt es versteckte Kosten oder Rückvergütungen? Eine   Vermögensverwaltung   hat   seinen   Preis.   Dieser   liegt   i.d.R.   zwischen   1   und   1,75%   p.a..   In   der   Vergangenheit      wurde   dieser   Preis   durch   unterschiedlichste   „Stellschrauben“ erzielt.    Es    gab    Gebührenmodelle    mit    niedriger    Vermögensverwaltungsgebühr,    zusätzlichen    Transaktionskosten    und    so    genannten    Rückvergütungen    seitens    von Fondsgesellschaften,   Depotbanken   und   anderen   Emissionshäusern,   es   gab   aber   auch   schon   Gebührenmodelle   mit   hohen   Vermögensverwaltungs-gebühren   bei   gleichzeitiger Rückvergütung   aller   externen   Zahlungen,   die   der   Vermögensverwalter   zusätzlich   erhalten   hat.      Die   Vielzahl   der   Mandanten   entschied   sich   i.   d.   R.   für   das   Modell   mit   den niedrigeren   Vermögensverwaltungsgebühren.   Spätestens   in   2017   mit   Einführung   der   MIFID   2   Richtlinien   wird   es   die   lange   geforderte   Transparenz   geben   und   der   Markt letztlich entscheiden, wo der Preis für eine Vermögensverwaltung liegen wird. Brauche ich denn überhaupt einen Vermögensverwalter? Grundsätzlich   in   der   Aufwärtsbewegung   von   Märkten   vielleicht   nicht,   aber   in   der   Abwärtsbewegung   dann   lieber   doch   ?      Ein   Vermögensverwalter   trägt   die   Verantwortung   für das   ihm   anvertraute   Kapital.   Er   hat   nicht   die   Glaskugel   in   der   er   die   Kurse   des   nächsten   Tages   sieht   und   muss   sich   fortlaufend   mit      Meldungen   auseinandersetzen,   die teilweise erhebliche kurzfristige Marktbewegungen auslösen. Auf   Grund   der   erhöhten   Volatilität   ist   das   Geschäft   insgesamt   schneller   geworden,   so   dass   ggfls.   auch   mal   reagiert   werden   muss.   Die   Phase   der   stetigen   Aufwärtsbewegungen ist   wohl   vorbei   und   wurde   durch   eine   JoJo-Entwicklung   mit   leicht   positiver   Grundtendenz   abgelöst.   Der   Vermögensverwalter   wird   mit   möglichen   Risiken   vermutlich   vorsichtiger umgehen, als wenn man selbst die Entscheidung trägt.  Er wird eine Risikosteuerung vornehmen und vielleicht Positionen auch mal absichern oder abbauen. Sagt der Multimillionär zum Vermögensverwalter: „ Erhalte mein Kapital“. Kommt der Kleinsparer und erwidert: „ Verzehnfache es“. Anlegerhinweis: Was sollte ich beachten und wie gehe ich vor? Grundsätzlich   ist   zu   sagen   dass   es   keinen   Kunden   gibt   für   den   es   gut   ist   sich   an   einen   Vermögensverwalter   zu   wenden   und   es   genauso   keinen   Kunden   gibt   für   den   man   es grundsätzlich ausschließen sollte, vielmehr ist es das gute alte Bauchgefühl und ein gesunder Menschenverstand der die Entscheidung für jeden einzelnen bringen muss. Haben   Sie   selbst   das   Gefühl   dass   Sie   einfach   kein   Vertrauen   haben   und   die   Gebühren   erscheinen   Ihnen   zu   hoch   dann   suchen   Sie   sich   eine   alternative   oder   Sie   sind   nicht   der Typ   für   einen   Vermögensverwaltervertrag.   Sollten   Sie   jedoch   ein   gutes   Gefühl   haben   und   auch   die   Gebühren   sind   für   Sie   akzeptabel   dann   gehen   Sie   einfach   auf   die Verwaltung zu und suchen Sie ein Gespräch mit einem Verwalter. Dabei sollten Sie jedoch auf keinen Fall die Fakten aus den Augen verlieren. Anlegertipp:   für   das   erste   Gespräch   mit   Ihrem   „Neuen   Vermögensverwalter“:   legen   Sie   sich   Fragen   zurecht   die   Sie   interessieren   und   schreiben   Sie   sich   die   Antworten   auf. Fordern   Sie   ein   Gesprächsprotokoll   und   einen   Nachweis   über   ein   real   geführtes   Musterdepot.   Lassen   Sie   sich   durch   niemanden   zu   einer   Entscheidung   drängen   und   halten   Sie mit einer Person Ihres Vertrauens Rücksprache wenn erforderlich. Vergleichen Sie mindestens 2-5 Verwaltungen und treffen Sie erst dann eine Entscheidung.
Vermögensverwaltung Pro & Contra der Große Einblick hinter die Kulissen
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